Fasanenschlösschen

Hier wird nur ganz wenigen Einlass gewährt, denn dieser Solitär unter den deutschen Schlössern ist einfach zu klein für Menschenmassen. So bleibt ein Gang durch das Fasanenschlösschen das exklusive Vergnügen, das es auch früher schon war. Östlich vom Jagdschloss Moritzburg in eine sanfte Kulturlandschaft gebettet, ist das 1770 errichtete Repräsentationsobjekt des Dresdner Hofes das einzige im Stil des Spätrokokos erhaltene Schloss in Sachsen.
Dank einer großzügigen Zuwendung eines anonymen Spenders konnte es umfangreich restauriert werden und steht dem Besucher heute wieder in all seiner filigranen Pracht offen. Auf kleinstem Grundriss im damals hochmodischen chinoisen Stil errichtet, beherbergte das Schlösschen eine vollständige Hofhaltung im Kleinformat.
Original restaurierte Möbel, Öfen und Wandgemälde sowie eine Sammlung von Vogelpräparaten sind Blickfänge im Inneren des Hauses, beim Flanieren in den Außenanlagen kann sich der Gast dagegen in die höfische Welt des 18. Jahrhunderts zurückversetzen. Noch pittoresker und skurriler sind die Mole und der rot-weiße Backsteinleuchtturm in unmittelbarer Nähe, Zeugnisse des verspielt-dekadenten Zeitgeistes der Epoche.
Hier träumten die Edlen des Binnenlandes Sachsen ihren Traum von gloriosen Seeschlachten, die in Ermangelung einer echten Flotte aber nur mit Komparsen, einer übersichtlichen Zahl von Wasserfahrzeugen und einer gehörigen Portion Fantasie realisiert werden konnten. Zumindest aber bot das Fasanenschlösschen seinen Herrschaften ein Zimmer mit echtem »Meerblick« – dieser eröffnet sich heute auch dem Gast von nicht hochwohlgeborenem Blut.

